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Radfahrstreifen und Schutzstreifen

Radfahrstreifen Hamburger Straße Foto: ©Albrecht Genzel, ADFC Bremen

Die Radfahrstreifen sind für den Radverkehr reservierte Fahrspuren auf der Fahrbahn. Sie sind mit dem Verkehrszeichen Z 237 (blaues Schild mit weißem Fahrrad) ausgeschildert und müssen daher benutzt werden. Sie sind mit einer breiten durchgezogenen Linie (Zeichen 295) begrenzt und in Bremen oftmals rot eingefärbt. Radfahrstreifen dürfen nicht von anderen Verkehrsteilnehmern benutzt werden.

Schutzstreifen können Kommunen dann einsetzen, wenn die Straße zu schmal ist, um einen richtigen Radfahrstreifen zu markieren. Schutzstreifen sollen 1,60 m breit markiert werden (Mindestmaß 1,25 m) und Radfahrern mehr Schutz vor den überholenden Autos bieten. Sie sind gekennzeichnet durch eine gestrichelte Linie und keine Sonderwege für den Radverkehr im Sinne der StVO und daher auch nicht benutzungspflichtig. Die Markierung darf - im Gegensatz zum Radfahrstreifen - bei Bedarf auch überfahren werden, z.B. wenn sich LKWs begegnen oder Radfahrer einander überholen wollen. Die Erfahrungen in einigen Städten, die den Schutzstreifen schon ausprobiert haben, stimmen optimistisch: Autos fahren langsamer und halten ausreichend Abstand, die Unfallzahlen sinken und die Radler sind komfortabler unterwegs.

Die Vorteile von Radfahrstreifen und Schutzstreifen gegenüber baulich angelegten Bordsteinradwegen sind: die größere Sicherheit an Kreuzungen und Einmündungen, geringere Baukosten bei vorhandener Straße, das Ausweichen bei Falschparkern ist möglich, Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern entfallen, das Einordnen zum Linksabbiegen ist jederzeit möglich, die Reinigung und der Winterdienst können gemeinsam mit der Kraftfahrzeugfahrbahn erfolgen. Der ADFC setzt sich daher für Schutzstreifen und Radfahrstreifen als gute Alternative zu Bordsteinradwegen ein.


Straßen mit und ohne Radweg - wo fährt es sich sicher?

„Fahrzeuge jeder Art müssen die Fahrbahn (Straße) benutzen“ steht in der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dies gilt auch für Radfahrer. Nur in Ausnahmefällen, wenn "aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht" (Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 18. November 2010; Az.: BVerwG 3 C 42.09) werden für sie eigene, zur Benutzung verpflichtende Wege eingerichtet und mit einem Radwegschild versehen.

Alle anderen Radwege (ohne Schild) dürfen, müssen aber nicht benutzt werden. Jeder kann selbst entscheiden, wo er sich am sichersten fühlt. Doch Vorsicht: Zahlreiche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass die „gefühlte Sicherheit“ auf Radwegen oft trügerisch ist. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ - für den Autofahrer verschwindet der Radverkehr hinter einer Kulisse parkender Autos, Bäumen und Büschen. Und an jeder Kreuzung oder Grundstückszufahrt kann es zu unerwarteten, gefährlichen Begegnungen kommen.
In Tempo-30-Straßen funktioniert das übersichtliche Miteinander auf der Fahrbahn meistens schon sehr gut. Radfahrende teilen sich mit Autofahrern  die Fahrbahn. Man sieht sich und partnerschaftliches Miteinander wird praktiziert. In Fällen, wo die Fahrbahn schmal ist und noch alte Radwege vorhanden sind, plädiert der ADFC dafür, bei gutem Fahrbahnbelag die Radwege in Parkstreifen umzuwandeln um mehr Platz im Straßenraum zu schaffen. Ein gelungenes Beispiel hierzu findet sich im Westteil der Georg-Gröning-Straße. Radfahrer fahren hier nun unbehelligt von Geisterradlern, Baumwurzeln, Mülltonnen und plötzlich abbiegenden Autos bzw. geöffneten Autotüren.

Einbahnstraßenöffnung

Bleicherstraße im Viertel - teilweise geöffnet Foto: ©Albrecht Genzel, ADFC Bremen

Im Mai 1993 fiel in Bremen-Findorff der Startschuss für die Freigabe der Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr. Was Anfang der 80er Jahre in einzelnen Straßen (Herbststraße in Findorff, Fesenfeld in der Östlichen Vorstadt) als Pilotprojekte für RadlerInnen begann, wurde nun flächendeckend in einem Tempo-30-Gebiet in Findorff umgesetzt.
Bremen spielte dank der Innovationsfreude von Klaus Hinte (Amt für Straßen und Verkehr) hierbei Vorreiter für die anschließend im Jahr 1997 offiziell in die StVO aufgenommene Regelung zur Freigabe der Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr.
Mittlerweile sind fast alle Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben.

Fahrradstraßen

Bahn frei für die Radler: Nebeneinander radeln und ein Schwätzchen halten und unbedrängt von Autos zügig vorankommen. Das alles macht die Fahrradstraße möglich. Sie ist das Sahnestückchen der StVO-Novelle.
Bremen setzt schon lange auf Fahrradstraßen wie z.B. in der Graf-Haeseler-Str. und der Benquestraße (Foto). Derzeit wird die Einrichtung einer Fahrradstraße für den Abschnitt der Wachmannstraße zwischen Schubertstraße und Schwachhauser Ring von der Verwaltung geprüft.
Da Fahrradstraßen für Radfahrer grundsätzlich in beiden Richtungen offen sind, schaffen sie neue und meist schnelle Verbindungen. Fahrradstraßen beruhigen den Verkehr. Außerdem ist man sicher in den neuen Straßen. Denn der Autoverkehr, der ausnahmsweise zugelassen werden kann, darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit fahren.

Fahrradstraße Benquestraße Foto: ©Albrecht Genzel, ADFC Bremen