header
< Schokofahrt - Ostern 2020
26.02.2020 12:37 Alter: 164 days

Kommt jetzt endlich die Radverkehrswende in Bremen?


Das geschützte Fahrradparken bleibt auch weiterhin Thema in der Bürgerschaft. Foto: © ADFC Bremen

Auf der Tagesordnung der Bremer Bürgerschaft stand gestern ungewohnterweise unser Thema Radverkehr ganz oben. Konkret ging es um geschützte Radwege, sichere Abstellmöglichkeiten und die Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung, soweit sie Bremen betreffen.

Geschützte Radwege/Protected Bike Lanes

Protected Bike Lanes kommen nach Bremen! Die vom ADFC gewünschten und in der Bürgerschaft von der Grünen-Fraktion geforderten geschützten Radwege sind in der Sitzung vom Dienstag beschlossen worden. Jetzt ist es am Senat, gemeinsam mit den Beiräten in den Stadtteilen, geeignete Strecken zu ermitteln und die Forderungen auch zeitnah umzusetzen.

Protected Bike Lanes sind ein Konzept mit dem Kommunen schnell und günstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Grob gesagt: Man nimmt dem Autoverkehr eine Spur weg - und legt darauf einen mindestens zwei Meter breiten, geschützten Radfahrstreifen an. Durch eine aufgemalte Pufferzone von mindestens 85 Zentimetern und eine schnell aufzubringende bauliche Barriere (Poller, Blumenkübel, Betonelemente o.ä.) schützt man die neue Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch den Autoverkehr. Sie schaffen also eine objektive und subjektive Sicherheitszone, in der sich auch unsichere Radfahrende komfortabel bewegen können.

Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Bremen

Die Situation ist nicht ideal: Aufgrund mangelnder Abstellbügel nutzen Fahrradfahrer*innen oft Laternenpfähle oder Zäune, um ihre Räder anzuschließen. Das ist nicht nur wenig diebstahlgeschützt, sondern kann auch mal den Weg versperren. Das ist sowohl den Regierungsparteien als auch der FDP-Fraktion aufgefallen, weswegen gleich zwei Dringlichkeitsanträge auf der Agenda standen, die das Fahrradparken als notwendigen Baustein für die Verkehrswende gezielt weiterentwickeln wollen. Nur der Antrag der FDP schaffte es gestern in die Diskussion, das Thema wird aber im März noch einmal aufgenommen. Und so gibt es hierzu bislang keine konkreten Beschlüsse zu vermelden Der ADFC Bremen wundert sich derweil, dass das vorhandene und gut genutzte Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof im Antrag der FDP nicht einmal eine Erwähnung findet. Als einziges Fahrradparkhaus in Deutschland, das komplett ohne öffentliche Gelder auskommen muss, sehen wir hier durchaus Entwicklungspotenzial und sind offen für Vorschläge aus der Regierung.

Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung

Fahrradmodellquartiere, wie die Alte Neustadt und der Ellener Hof in Bremen, sind jetzt von der Regierung abgesegnet. Nach den StVO-Neuregelungen darf es ganze Fahrradzonen geben, in denen Tempo 30 (höchstens!) erlaubt ist und der Radverkehr vorrangig behandelt wird. Ansonsten wurden leider keine weiteren Änderungen zu Geschwindigkeitsbegrenzungen durchgesetzt. Dafür ist jetzt aber der Mindestabstand von KFZ beim Überholen von Radfahrenden gesetzlich vorgeschrieben: Künftig müssen Autos mindestens 1,50 Meter innerorts und zwei Meter außerhab von Ortschaften einhalten.

Insgesamt bemängelten die Vertreter der Regierungsparteien in Bremen, dass die von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen nicht weit genug gingen. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sofia Leonidakis, findet deutliche Worte: "Wir müssen die Verkehrswende selbst vollziehen damit man irgendwann sagen kann, dass Bremen verkehrspolitisch das Kopenhagen an der Weser sei."