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13.02.2020 12:46 Alter: 7 days

ADFC fordert Ausbau der Radwege und selbsterklärende Infrastruktur


Foto: © ADFC Bremen

Thema: Verkehrsgerichtstag 2020 / Aggression im Straßenverkehr

Ende Januar hat der 58. deutsche Verkehrs-gerichtstag in Goslar unter anderem das Thema der zunehmenden Aggressivität im Straßen-verkehr besprochen. Auch in Bremen wird diese Problemstellung, beispielsweise im Radio Bremen Meinungsmelder vom 21. und 22. Januar, verstärkt diskutiert. Um schwächere Verkehrs-teilnehmer wie Radfahrende und Fußgänger zu schützen, fordert der ADFC die konsequentere Verfolgung von gefährlichem Verhalten, mehr Polizeistaffeln auf dem Fahrrad und klarere Kommunikation von Verkehrsstrukturen.

"Ein aggressives Verkehrsklima ist Gift für den Radverkehr."
Ursachen für die zunehmende Aggression finden sich nach Auffassung des ADFC vor allem in Bremen in der wachsenden Enge der Stadt und einer überkommenen Autokultur. Historisch gewachsene Städte wurden für den Autoverkehr umgebaut. Immer mehr und immer größere Autos überfluten die Städte; die Straßen sind eindeutig überlastet mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen. Gleichzeitig ist der Platz in der Stadt begrenzt und die Verkehrsführung oft nicht eindeutig genug markiert. Das alles führt zu einem Durcheinander, in dem eine zunehmende Verrohung des Miteinanders wahrnehmbar ist. Der Geschäftsführer des ADFC Bremen, Sven Eckert, sagt dazu: "Ein aggressives Verkehrsklima schadet vor allem dem Radverkehr. So steigt niemand gerne auf das Rad um. 3500 Verkehrstote jährlich erfordern mehr als Rücksichts-Kampagnen. Wir brauchen endlich eine deutlich verbesserte Infrastruktur und Sanktionen, die greifen."

Kommunen müssen jetzt Radwege bauen
Der ADFC kritisiert in diesem Zusammenhang die gängige Praxis der Kommunen, den Radverkehr ohne physischen Schutz gemeinsam mit dem schnellen Auto- und Schwerlastverkehr auf die Fahrbahn zu schicken. Eckert: "Seit den Sechziger Jahren wurden Straßen von innen nach außen geplant und der Platz damit zu Lasten der Schwächsten verteilt. Wir brauchen endlich mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr mit eigenen - möglichst geschützten - Spuren." Der ADFC fordert daher, die von der Bundesregierung aus dem Klimapaket zur Verfügung gestellten Rekordmittel für den Radverkehr nun auch endlich auf die Straße zu bringen. Dafür müssen die Kommunen das Geld dringend auch abrufen.

Ein Positivbeispiel für klar kommunizierte Verkehrsführung: Die Parkallee
Es geht nämlich auch anders, wie das Beispiel der Fahrradstraße Parkallee beweist: Noch im Jahr 2016 stellte der ADFC Bremen bei einer Verkehrsbeobachtung im Fahrradstraßenbereich zwischen den Straßen Am Stern und Rembertistraße fest, dass sich Kraftfahrzeuge nur in wenigen Fällen hinter den Radfahrenden einordneten - fast alle überholten zu knapp oder fuhren sehr dicht auf. Die Beobachtungen und vor allem die Tempomessung zeigten, dass die Parkallee von Autofahrenden ganz überwiegend als normale Straße wahrgenommen wurde. Viele Radfahrende wichen deswegen nach wie vor lieber auf die Hochbordradwege aus. 2019 hat sich das Bild gewandelt: Durch die auffallende rote Einfärbung des Straßenbelags wird die Straße eher als Fahrradstraße akzeptiert und mit dementsprechender Rücksicht von Seiten der KFZ genutzt.