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28.09.2018 08:00 Alter: 20 days

Die autogerechte Stadt – FDP-Kommentar beweist rückständige Politik


Foto: ©ADFC Bremen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bremen kritisiert die von FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner veröffentliche Meinung im Weser-Kurier Kommentar vom 25. September zutiefst. "Es ist erstaunlich, dass wir im Jahr 2018 noch solch rückständige Verkehrspolitik erleben müssen", so Sven Eckert, Landesgeschäftsführer des ADFC in Bremen. "Während der internationale Diskurs in Medien, bei Stadtplanern und Verkehrswissenschaftlern schon lange den Bedarf an einer Förderung nachhaltiger Mobilität erkannt hat, wird in Bremen jede Investition in den Umweltverbund heftig diskutiert. In Zeiten von Dieselfahrverboten, von wachsenden Staus, von stagnierenden Unfallzahlen und drastischer Raumnot in Städten muss etwas getan werden. Dass der Ausbau von Parkplätzen und Straßen nicht zur Lösung des beschriebenen Problems führen, sondern nur mehr Autos in der Stadt zur Folge haben wird, scheint allen klar zu sein - allen, bis auf Frau Steiner."

Europa macht es vor
Lösungsansätze für die Gestaltung von lebenswerten und menschenfreundlichen Städten werden europaweit getestet und durchgesetzt. Beispielhaft zu nennen, sind Städte wie London, Paris, Madrid und Oslo, die es sich in den letzten Jahren alle zum Ziel gesetzt haben, Autos von den Innenstädten fernzuhalten und nachhaltige Mobilitätsformen zu fördern. Mit begünstigenden Maßnahmen wie dem Ausbau von geschützten Radwegen und Fahrradschnellwegen und gleichzeitigen restriktiven Maßnahmen wie der Einführung einer City-Maut und der Erhebung von flächendeckenden Parkgebühren folgen diese Städte dem anerkannten "Push und Pull" Gedanken zur Verwirklichung einer Verkehrswende. Damit agieren sie schon jetzt deutlich konsequenter und umfassender als das Land Bremen.

Gleichberechtigung der Verkehrsarten
Trotzt aller Maßnahmen, die in Bremen bereits den Umweltverbund stärken, kann noch lange nicht von einer "Gleichberechtigung der Verkehrsarten" gesprochen werden, wie Frau Steinert sie in ihrem Kommentar fordert. Der ADFC ist daher überrascht über die Forderung der FDP, begrüßt sie aber ausdrücklich: So besagt eine Studie vom Umwelt Bundesamt, dass in Bremen rund 9,30 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr ausgegeben werden - fürs Auto hingegen ganze 156 Euro. Eine Aufstockung der finanziellen Mittel für den Rad- und Fußverkehr wäre ein erster wichtiger Schritt zu einer gerechteren Behandlung der Verkehrsmittel.

Ideologiefreie Verkehrspolitik
Der ADFC Bremen stimmt Frau Steiners Wunsch nach einer ideologiefreien Verkehrspolitik eindeutig zu: "Alle objektiven Argumente sprechen für die Verkehrswende", erklärt Eckert. "Andere Städte und Studien zeigen, dass durch den Ausbau von umweltfreundlichen Infrastrukturen mehr Menschen aufs Rad umsteigen, was wiederum zu weniger Unfällen, weniger Staus, weniger Lärm- und Abgasverschmutzung führt. Sprich: Städte werden sicherer, sauberer, leiser und lebenswerter. Selbst für diejenigen, die weiterhin auf ihr Auto angewiesen wären, würde sich die Situation immens verbessern. Das Festhalten am privaten PKW entspricht demnach nicht einer logischen Konsequenz, sondern ist - wie Frau Steiner es selbst beschreibt - ein Resultat von persönlichen Emotionen."